Liebe Leser,

wir sind sprachlos geworden und stolpern mit zugebundenem Mund durch eine Welt, die so unsicher geworden ist, dass keiner mehr so recht weiß, wie es weitergehen wird. Die Chinesen sind uns wieder so fremd wie vor 1000 Jahren; die Amis betrachten uns nicht mehr als unsere Freunde, packen ein und fahren nach Haus; was die Russen im Nahen Osten wirklich machen, mit und ohne die Türken, wissen wir nicht genau.

Auch die Europäische Union weiß nicht mehr recht weiter. So unterschiedlich die nach dem Ausscheiden der Briten verbliebenen 27 Staaten sind, so unterschiedlich sind ihre Sichten. Sie schaffen es nur mit allergrößter Anstrengung, sich auf das unbedingt Notwendige zu einigen. Die „Lösungen“, die dabei angeblich gefunden werden, sind für uns Normalbürger kaum mehr wirklich durchschaubar. Wir wissen nur, dass wir die Gürtel enger schnallen müssen und hoffen darauf, dass ein Impfstoff nicht nur gegen das krankmachende Corona-Virus gefunden wird, sondern auch ein Mittel, das uns vor dem Beschiss bewahrt, der weltweit inzwischen überall grassiert. Wo nicht mehr erst gedacht und dann gehandelt, sondern nur noch aufs Knöpfchen gedrückt wird.

Wenn wir den Blödsinn lesen, den selbsternannte Euro-„Ichthyologen“ gerade wieder in irgendeinem praxisfernen Hinterzimmer ausgeheckt haben, um sich und ihren Spezln die nächsten Jahre jene Pfründe zu sichern, die sie in der „Verwaltung“ unserer Teichwirtschaften und unserer Fischereirechte sehen, packt uns die helle Wut. Fischerei und Fischzucht waren immer ein festes Bindeglied zwischen Mensch und Natur, zwischen Himmel und Erde. Die Jünger Jesu stammen zu einem großen Teil aus diesem Menschengeschlecht: Es war und ist dies imstande, unter die Oberflächen zu sehen; es hat seit je begriffen, dass das Kleinste nichts als ein Teil vom großen Ganzen ist. Hätten wir keine Boote und keine Netze gehabt und, vor allem, hätten wir nicht sachgerecht damit umgehen können, hätte Jesus uns anschaffen können, was er wollte – wir hätten keinen einzigen Fisch unter das Volk gebracht und keine Gemeinde gründen können.

Anders als die Fischer hatten Schriftgelehrte und Pharisäer schon damals keinen guten Ruf. Besser als nur über allerlei Kleingeschriebenes herumzurechten sei es, so hören wir aus der Bibel, mit Gottvertrauen und im Vertrauen auf seine von den Vätern erlernten Fähigkeiten Lösungen und Wege zu suchen und Nahrungsmittel unter das Volk zu bringen. Die bayerischen Seenfischer und Teichwirte haben noch nie etwas anderes getan. Nie haben sie die Ökosysteme geschädigt oder die Fischbestände verdorben, die ihnen von der Schöpfung anvertraut worden sind. Das besorgen jetzt die Schriftgelehrten, die wissen, wie man besser und gewinnbringender Fische aus weit entfernt liegenden Ländern herbeischafft und vor Ort verkauft, statt die eigenen Ressourcen klug zu nutzen. Dann finden die von den gleichen Schriftgelehrten heiliggesprochenen Otter, Gänsesäger und Kormorane bestimmt wieder genug Fischbiomasse in ihren schadstoffbelasteten, ausgeleiteten, eingestauten, vom Naherholungsverkehr übernutzten, heimischen Biotopen!
Der Herr fährt dann aber nicht mehr mit dem Fischerkahn zur Bergpredigt, sondern wackelt via SUP über das, was vom See Genezareth noch übrig geblieben ist. Fischer gibt’s dort schon lang keine mehr: Die hungrigen 5000 schickt man zu McDonalds; dort werden leckere Burger feilgeboten, die aus ein bisschen argentinischem Rinderhack zusammengebraten wurden. Mahlzeit!

So trüb die biblischen Wasser momentan auch scheinen mögen – beim VBB leuchtet es hell: Harald Siller, unser Geschäftsführer, wurde am 14. August 60 Jahre alt, erfreut sich bester Gesundheit, kann aber, Coronakrisen-bedingt, kein rauschendes, öffentliches Fest feiern. So lasst uns ihm auf diesem Weg alles, alles Gute für seinen weiteren Lebensweg wünschen. Ad multos annos, Kollege! Mögest Du noch viele Jahrzehnte mitsamt deiner geliebten, bayerischen Fischerei weiter auf dem richtigen Kurs bleiben!

Ihr
Dr. Peter Wißmath