Liebe Leser,

die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat mit Wirkung vom 17. Mai 2019 die Bekanntmachung eines zeitweisen Fangverbots zum Schutz des Europäischen Aals herausgegeben. Dort heißt es u. a.:
„Der Bestand des Europäischen Aals ist nach Einschätzung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) in einem kritischen Zustand. Laut Erwägungsgrund (10) der Verordnung (EU) 2019/124 des Rates vom 30. Januar 2019 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2019 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unions-Gewässern (ABl. L 29 vom 31.1.2019, S. 1) hat der ICES (International Council for the Exploration of the Sea) demzufolge empfohlen, alle die Sterblichkeit beeinflussenden anthropogenen Faktoren, einschließlich gewerblicher Fischerei und Freizeitfischerei, auf null zu reduzieren oder möglichst nahe bei null zu halten. Vor dem Hintergrund dieses Gutachtens hat der Rat der Europäischen Union für alle Fischereien ein Fangverbot für Europäischen Aal in allen Lebensstadien für einen Zeitraum von drei aufeinander folgenden Monaten festgelegt.“ Weiter heißt es in dieser Verordnung für Deutschland:
„1. Jede gezielte und unbeabsichtigte Fischerei sowie Freizeitfischerei auf Europäischen Aal ist in dem Zeitraum vom 1. November 2019 bis 31. Januar 2020 untersagt. Das Fangen oder Anbordhalten von Europäischem Aal ist in diesem Zeitraum verboten.
2. Das Fangverbot gilt in den deutschen Gewässern des ICES-Gebiets und in Brackgewässern, wie Mündungsgewässern, Küstenlagunen und Übergangsgewässern.
3. Nach Anhörung und im Einvernehmen mit den betroffenen Bundesländern wurde für die Gewässer Deutschlands der in Nummer 1 genannte Zeitraum für ein Verbot des Fangens oder Anbordhaltens von Europäischen Aal festgelegt.“ Diese Vorschrift gilt nicht für bayerische Fließgewässer und Seen. Und sie gilt nicht für den Fraßdruck der inzwischen schier uferlos gewachsenen, deutschen Kormoranpopulationen.
In Deutschland gibt es derzeit etwa 25.000 Kormoran-Brutpaare; insgesamt sind in der BRD demnach das ganze Jahr über wenigstens 200.000 dieser Tiere unterwegs. Unterstellt man diesen Massen einen in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesenen Aalverzehr von 5 bis 10 Prozent des Tagesbedarfs, sind es wenigstens 200.000 x 365 x 0,075 [kg] = 5475 t Aale in allen Größen, die jedes Jahr von ihnen in Deutschland verzehrt werden. Welche Rolle sollten da noch die knapp 500 t spielen, die derzeit jährlich durch die Deutsche Fischerei entnommen werden, die, anders als die Raubvögel, gleichzeitig aber ausgedehnte Fischhegemaßnahmen betreibt und Schonmaße einhält?
Die rezente Verordnung zeigt uns wieder einmal, dass zwischen Vogel- und Fischereischutz nicht nur Welten, sondern auch Weltanschauungen liegen. Auf letztere scheint’s der aktuellen Politik mehr anzukommen als auf uns. „Fridays for Future“ in München, Nürnberg und Regensburg? Aus Sicht der Fische und der Fischerei eher nicht. Rettet die Bienen!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Peter Wißmath