Liebe Leser,

April, April – unsere Sommersaison beginnt! Die ersten Winterteiche werden abgefischt, die letzten Speisekarpfen werden noch an die Frau oder den Mann gebracht. Die Grillsaison wirft jetzt schon ihre Schatten voraus. Der erste Spargel und Schweinesteaks werden für das Grillvergnügen gebunkert. Aber halt! Es soll noch Speisekarpfen geben! Liebe Leser – holt euch Filets von Forellen, Saiblingen und Karpfen und legt diese auf den Grill, schön behutsam. Der Karpfen ist einheimisch, klar. Die Saiblinge sind es auch, aber die gute bayerische Regenbogenforelle – gibt es die noch? Oder werden wir nur mehr von Handelsware aus anderen Erzeugergebieten Europas versorgt?
Bayern war einmal der bedeutendste Forellenproduzent Deutschlands. Und heute? In Ostbayern treibt der Fischotter sein Unwesen und verzehrt einige Tonnen Fisch nächtens. Tagsüber fliegen die Scharen von Reihern, Kormoranen und neuerdings auch Gänsesägern ein. Und dann auch noch Besuch von Veterinären, besonders im Süden Bayerns. Da ist dann schon einmal ein Betrieb über Wochen gesperrt, sein klinisch völlig gesunder Forellenbestand wird unschädlich „entsorgt“. Es soll die Seuche grassieren! Warum? Weil wir viele Betriebe haben, die traditionell auf gutes Oberflächenwasser zugreifen. Und weil dort auch Forellen leben, wild leben und gesund sind, aber halt seit Jahren mit VHS und IHN in Berührung gekommen sind. Deren abgeschwächte Erreger gelangen immer wieder einmal in die Anlagen, aber ohne Krankheiten auszulösen. Es hat momentan den Anschein, dass wir wie anderswo unsere Forellen in Hallen und mit im Kreis laufenden Grundwasser erzeugen sollen, damit wir frei von allen „Seuchen“ werden. Damit die Behörde zufrieden ist und keine Entschädigungen anfallen. Regional könnten wir dann noch bieten, aber naturnah? Mal sehen, was die Zukunft bringt und was unsere Kunden dazu sagen! Auch die bayerischen Seenfischer haben das Jahr 2018 überstanden, teils mit guten Fängen und mit verbesserten Produktionsfaktoren, ich denke hier an Pacht- und Patentverträge. Nur die Bodenseefischerei macht uns Kummer, dies haben wir in den letzten Ausgaben berichtet.
In den Winterversammlungen sind die allseits bekannten Produktionshemmnisse angesprochen und teils vehement den Behördenvertretern um die Ohren geschlagen worden. Bei einigen Treffen hatte ich den Eindruck, dass es doch zwei Welten gibt – eine, in der wir leben und arbeiten, und daneben die andere, in der man sich hinter Mauern und Erdwällen (gemeint sind die Verordnungen und Vollzugshinweise) verschanzt und eine eigene Sicht der Dinge prägt. Ganz besonders denke ich hier an einen Vertreter eines Ministeriums, der über die DIN 19700 zwar sehr sachlich referiert hat, aber unsere Einwände nicht verstanden hat. Ein Teich in Bayern ist halt nun mal kein Staudamm, der Dörfer überschwemmt und Kinder ertrinken lässt, wenn er einmal überlaufen und brechen sollte.
Wenn dann auch die Minimierung von Verlusten durch Prädatoren als Erfolg verkauft wird, dann denke ich wie meine Fischereikollegen an börsennotierte Unternehmen. Bei „Erfolgen“ wie diesen wäre hier sofort Schluss und der Betrieb zu. Die Mitarbeiter würden auf die Straße gestellt werden und die Produktion nach Fernost verlagert werden. Aber wir haben hier Familienbetriebe, die wir an die nachfolgende Generation weitergeben wollen!
Mir kam der Spruch zu Ohren: „In Bayern fördern wir die künstliche Intelligenz, die Natürliche ist am Aussterben.“ Hoffentlich nicht, es wäre schade um das, was wir Fischer uns an Wissen und Können erarbeitet haben. Die Fischsaison beginnt. Ich wünsche allen meinen Kollegen ein gutes Jahr, viel Erfolg und, ganz im Sinne des Tier-(Fisch-)wohls, ein geschicktes Händchen, wenn`s mal wieder zu warm und zu trocken werden sollte.
Petri Heil!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Harald Siller